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Erklärung zu den No-Go-Areas vom September 2013

Stellungnahme zum Artikel des General-Anzeigers vom 22.10.2013

Pressemitteilung vom 28.10.2013 zum Thema „No-Go-Areas in Bonn

Statistik: Vorfälle pro Stadtteil

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Stellungnahme zum Artikel des General-Anzeigers vom 22.10.2013

von David Schah (DS)

In der Druck- sowie in der Online-Ausgabe des Bonner „General-Anzeigers" (GA) vom 22.10.2013 erschien ein größerer Artikel zu unserer Karte mit den Bonner No-Go-Areas. Der GA-Journalist Martin Ochmann hatte mich am Tag zuvor, am 21.10.2013, telefonisch interviewt. Sein Artikel sowie sein nur in der Druckausgabe erschienener Kommentar lassen erkennen, dass Herr Ochmann meine Antworten offenbar nicht immer richtig verstanden hatte. Für zukünftige Telefon-Interviews empfehle ich ihm daher, sich ein Beispiel am Kollegen von der „Bild“-Zeitung zu nehmen, der sich meine Zitate nach dem Telefon-Interview nochmals per E-Mail schriftlich bestätigen ließ. Hier meine Korrekturen und Anmerkungen:

GA: „Die oft kritischen Reaktionen von Bürgern [...] hätten ihn überrascht, meint der Leiter der Sprachschule. Das ist zunächst an Naivität kaum zu überbieten. [...].

DS: Das Kompliment mit der Naivität gebe ich gerne an Herrn Ochmann zurück. Wenn plötzlich binnen weniger Tage sämtliche lokalen Medien von WDR-Lokalzeit über Bild und Radio-Bonn-Rhein-Sieg bis zu guter Letzt dem General-Anzeiger über unsere No-Go-Karte berichten, dann ist es natürlich keine Überraschung, wenn wir zahlreiche Reaktionen bekommen, positive wie negative. Überrascht war ich nur von dem plötzlichen Medieninteresse an unserer No-Go-Karte, von der vorher außer unseren wohnungssuchenden Sprachschülern kaum jemand Notiz genommen hatte. Die darauffolgende Menge an Zuschriften infolge des Pressewirbels konnte mich dagegen natürlich nicht mehr überraschen.

GA: „Ich bin kurz davor, die Karte aus dem Netz zu nehmen", sagt David Schah, Leiter des Instituts. Denn neben Zustimmung gab es auch viel Kritik von Bonner Bürgern. Die verwahrten sich nicht nur gegen Pauschalkritik an ihrem Stadtteil, sondern warnten auch davor, dass die Karte Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten sein könnte.“

DS: Ich hatte gesagt, dass ich die Karte deswegen aus dem Netz zu nehmen gedenke, weil die zahlreichen Zuschriften und Anrufe sowie der ganze Presserummel unsere tägliche Arbeit zu beeinträchtigen drohen. Der Einwand mit den "Rechtspopulisten" kam eigentlich nur seitens eines Vertreters der Stadt Bonn, von einem Radio-Interviewer (ich glaube es war Radio Bonn Rhein-Sieg), sowie von Herrn Ochmann selbst, der im Übrigen schon beim Telefonat gar keinen Hehl aus seiner Missbilligung unserer No-Go-Karte gemacht hatte, was ja auch sein gutes Recht ist. Zum Thema Vereinnahmung durch Rechtsextremisten hatte ich bereits gegenüber dem Radiosender sinngemäß geäußert: „Wenn ich sage, dass abends die Sonne untergeht, und der NPD-Vorsitzende findet das dann aber auch, ändert das nichts an der Richtigkeit der Aussage. Ich sehe da vielmehr die Verantwortlichen der Stadt Bonn, die Polizei und Gerichte und alle anderen Beteiligten in der Pflicht, die entsprechenden Missstände offensiv anzugehen, damit Bürger egal welcher Herkunft sich in den betroffenen Stadtteilen wieder sicher fühlen. Nur so wird Extremisten der Wind aus den Segeln genommen.“ Wir haben übrigens sehr viele Zuschriften von Einwohnern der betroffenen Stadtteile bekommen, die sich dafür bedankten, dass wir dieses Thema aufgegriffen haben und die zugaben, dass sie sich selbst nicht öffentlich darüber äußern möchten aus Angst, dann unberechtigterweise für fremdenfeindlich gehalten zu werden. Ochmanns Kommentar mit der Überschrift „Applaus von Rechts“ (er meinte wahrscheinlich "Applaus von Rechtsextremisten") trägt leider dazu bei, dass immer weniger Bürger sich trauen, Meinungen zu Fehlentwicklungen zu äußern, da sie sonst in einen Topf mit pauschalisierenden Fremdenfeinden geworfen zu werden drohen. Gerade das kann dann dazu führen, dass die betroffenen Bürger keinen anderen Ausweg sehen, als ihr Kreuz bei Protestparteien zu machen, die ja in den betroffenen Stadtteilen auch durchweg überproportional viele Stimmen erhalten. Unter den zustimmenden Rückmeldungen sind übrigens überwiegend Bürger(innen), die selbst einen Migrationshintergrund haben oder mit Bürger(innen) mit Migrationshintergrund verheiratet sind. Es gab nur eine einzige Zuschrift, in der vielleicht etwas Xenophobie mitschwang, und in der man sich unter anderem darüber beklagte, dass wir ja nur an das Wohl der Ausländer und nicht an das der betroffenen Deutschen in den Stadtteilen denken würden. Dazu kann ich nur sagen: Natürlich liegt uns das Wohl aller Einwohner Bonns am Herzen, aber wir können nur solche Schilderungen aufgreifen, die an uns persönlich herangetragen werden, und als Sprachschule, die vorwiegend von ausländischen Deutschlernenden besucht wird, bekommen wir nun einmal hauptsächlich Feedback von ausländischen Lernern.

GA: „Damit hat das Institut der Stadt Bonn, dem gedeihlichen Miteinander in dieser Stadt und der Integration einen Bärendienst erwiesen.“

DS: Diejenigen, die Raubüberfälle begehen, andere verprügeln und sexuell belästigen, erweisen dem gedeihlichen Miteinander in dieser Stadt einen Bärendienst, niemand sonst und schon gar nicht diejenigen, die solche Missstände zur Sprache bringen. Und wer meint, das Ganze habe etwas mit Integration zu tun, scheint einen seltsamen Integrationsbegriff und ein verzerrt-einseitiges Bild von den zu Integrierenden zu haben. „Integration“ kann vieles heißen, aber bestimmt nicht, dass man ursprünglich kriminell ist und erst während des Integrationsprozesses lernt, sich zivilisiert zu benehmen. In so gut wie allen Kulturen sind die oben genannten Verhaltensweisen nämlich tabu. Die Problemjugendlichen, um die es hier geht, haben weniger ein Problem mit einer wie auch immer gearteten „Integration“, sondern vielmehr damit, dass sie meinen, sich über Moral, Recht und Gesetz hinwegsetzen zu können. Hier sind die sozialen Institutionen der Stadt Bonn sowie Polizei und Justiz gefragt, auf energische und nachhaltige Weise korrigierend einzugreifen. Und selbstverständlich sind Initiativen von Mitbürgern in solchen Stadtteilen lobenswert, die solche Problemjugendliche dazu bringen möchten, gedeihlich mit ihren Mitmenschen umzugehen.

GA: „Die Polizei spielt derartige Vorfäller runter“, meint Schah.

DS: Dieser Satz ist so nicht gefallen. Ich habe lediglich in Bezug auf einen am Godesberger Bahnhof zusammengeschlagenen Lateinamerikaner erzählt, dass nach dessen eigener Aussage die Polizei an der Aufnahme seines Falls nicht interessiert war und abwiegelte. Ferner habe ich erwähnt, dass die allermeisten Sprachschüler nicht zur Polizei gegangen sind, sondern sich allenfalls Vertrauenspersonen wie ihren Lehrern anvertraut haben. Aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten, der befürchteten Komplikationen und Umstände und der Unsicherheit davor, wie die Polizei in Deutschland reagieren würde, verzichten fast alle Betroffenen auf eine Anzeige.

GA: "Die internationale Stadt Bonn arbeitet intensiv daran, das Zusammenleben von Menschen aus über 180 Ländern der Welt, von denen 30 Prozent einen sogenannten Migrationshintergrund haben, so zu gestalten, dass Vielfalt zur Stärke wird", sagt Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit, stellvertretend für Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. Dabei sei die Stadt erfolgreich, wie Schilderungen vieler tausend Uno-Mitarbeiter bestätigen würden. Dem stünden Erfahrungen von 250 Schülern gegenüber.

DS: Niemand behauptet, es gäbe ein Problem mit der Internationalität der Stadt Bonn. Im Gegenteil sind alle unseren ausländischen Sprachschüler angetan vom weltoffenen und kosmopolitischen Flair der Stadt Bonn und bestätigen so die Erfahrungen der UN-Mitarbeiter, die übrigens überwiegend nicht in den betroffenen Bezirken wohnen dürften. Es wäre auch völlig verfehlt, Kriminalität als notwendigen Preis für Weltoffenheit und Internationalität anzusehen. Weltoffenheit und harmonische Kulturenvielfalt gedeihen dort am besten, wo sich alle an einen gemeinsamen Wertekonsens halten, der Kriminalität ausschließt, wo sich also alle Bürger sicher fühlen können, nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihres Glaubens oder ihres Besitzstandes tätlich angegriffen zu werden. Übrigens haben auch ein paar UN-Mitarbeiter, die unsere Deutschkurse besucht haben, schlechte Erfahrungen in den betroffenen Stadtbezirken gemacht. Schade, dass den Bonner Stadtpolitikern ausgerechnet diese UN-Mitarbeiter bei ihrer tausendfachen Befragung durch die Lappen gegangen sind.

GA: "In Bonn kann man überall hingehen, das Pauschalisieren wird der Realität nicht gerecht", sagt Polizeisprecherin Daniela Lindemann. Die Karte decke sich nicht mit der Wirklichkeit. Man habe sich die Fallzahlen bei Straßenkriminalität, dazu gehört unter anderem Raub, sexuelle Belästigung, Körperverletzung und Diebstahl, genau angesehen. Lindemann: "Wir verzeichnen einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr."

DS: Es klingt zunächst erfreulich, wenn laut Polizeistatistik die Straßenkriminalität in Bonn insgesamt im Jahre 2012 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen ist. In die Statistik gehen jedoch nur zur Anzeige gebrachte Delikte ein. Es ist bekannt, dass weltweit die Anzeigequote in Problembezirken bei steigender Kriminalität zurückzugehen tendiert, da sich bei den betroffenen Bürgern allmählich Resignation einstellt und sie gerade bei kleineren Delikten immer weniger den Mut oder die Energie aufbringen, zur Polizei zu gehen. Deutschlandweit steht Bonn übrigens bei der Rate der gemeldeten Verbrechen pro 100.000 Einwohner im oberen Mittelfeld, nämlich auf Platz 14 von 36. Auf 100.000 Einwohner kamen 11.190 Verbrechen, das heißt, statistisch gesehen wurde etwa jeder zehnte Bonner 2012 Opfer eines Verbrechens.

Wünschenswert wären Polizeistatistiken für einzelne Stadtteile, die aber leider nicht verfügbar sind. Vielleicht macht sich ja mal ein fleißiger Journalist daran, die öffentlich gewordenen Fälle kategorisch zu erfassen und nach Stadtteilen aufzugliedern. Gerne mache ich den Anfang und beginne mit Meldungen in der Druckausgabe des General-Anzeigers vom 22.10.2013, also dem Tag, an dem auch der Artikel mit der vehementen Kritik an unserer No-Go-Karte veröffentlicht wurde:

Seite 17: Bandido-Aufmarsch als Drohgebärde (Bonn-Innenstadt)
Seite 19: Einbrecher verletzt sich (Bonn Castell)
Seite 20: Handtasche geraubt (Bonn-Innenstadt)
Seite 21: Erneut brennt ein Keller (Bonn-Medinghoven)
Seite 23: Wieder einmal dreister Raub vor dem Godesberger Rathaus (Bad Godesberg-Mitte)
Seite 24: Machetenattacke: Zweiter Verletzter bestätigt. (Sankt Augustin)

Nachtrag:
Was im GA-Artikel nicht stand, war Herr Ochmanns bei seinem gestrigen Telefon-Interview gestellte Frage, ob es nicht unangemessen sei, wenn zum Beispiel ein verwöhnter Student aus China sich über die Zustände in Bonn aufrege. Und außerdem müssten die Sprachschüler aus ihren Heimatländern doch noch viel Schlimmeres gewöhnt sein, und daher sei es doch seltsam, wenn sie sich jetzt hier so anstellen. Ich entgegnete sinngemäß: "Wir sollten Deutschland in puncto Kriminalität nicht mit dem gleichen Maßstab messen wie ein Entwicklungsland. Die Messlatte bei der zu erwartenden Sicherheit liegt in einem entwickelten Industrieland wie Deutschland selbstverständlich höher. Und daher dürfen ausländische Schüler, selbst wenn sie aus einem Bürgerkriegsland kommen, zu Recht erwarten, dass es hier friedlich und zivilisiert zugeht und dass man auch mal nachts bedenkenlos ausgehen kann." Ich weiß auch nicht, woher Herr Ochmann das Klischee vom verwöhnten, zart besaiteten und übersensiblen chinesischen Studenten hat, aber offenbar gelten Vorurteilsverbote bei ihm nicht für alle Herkunftsgruppen.

Nachtrag 1 vom 23.10.13
Für Freunde der Statistik wird bald eine nach Herkunft und Wohnbezirk sowie Negativerfahrungskategorie geordnete Aufstellung der Rückmeldungen unserer Schüler erstellt werden. Wir werden zukünftig stets Kopien der schriftlichen Übungen unserer Schüler anfertigen sowie zusätzlich einen Fragebogen erarbeiten und ausfüllen lassen, um eine noch zuverlässigere und aussagekräftigere Datenmenge zu erhalten.

Nachtrag 2 vom 24.10.13
Insgesamt zählen wir bis heute 106 Rückmeldungen zu unserer No-Go-Karte:

Art der Rückmeldung positiv negativ
Anrufe 6 7
E-Mails 86 7

Hier eine Auswahl von E-Mail-Zuschriften. Die Absender haben der Veröffentlichung unter Angaben ihrer Initialen ausdrücklich zugestimmt.

Link: Pressemitteilung vom 28.10.2013 zum Thema „No-Go-Areas in Bonn


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